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n o w h e r e — ein welt raum spiel 2005
n o w h e r e ist ein GameMod, eine Modifizierung des Egoshooters Unreal in dem sich der Spieler im virtuellen, dreidimensionalen Raum frei in jeder Richtung bewegen kann. Architektur, Klänge, gesprochener Text und Bilder unterstützen die immersive Wirkung dieses Mediums. Der freie Flug durch Raum und Zeit als Metapher gewählt, reflektiert die Gedankenwelt der Architektengruppe, die sich im Briefwechsel Die Gläsernen Kette (gegründet von Bruno Taut im Dezember 1919) zum Ideenaustausch traf.
Die Installation wurde an folgenden Orten / Festivals gezeigt:
credits & support
Sylvia Eckermann: GameArt, Concept
Frédéric Lion, Marcin Glowacki: Voiceover Alois Kozar: additional programming
commissioned by thecrystalweb° |
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| english version |
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n o w h e r e — ein welt raum spiel
Ich behandle die Propositionen von Wittgenstein mehr so wie Axiome.
Wenn ich das Axiom "Wir machen uns ein Bild der Welt" verneine und sage,
"Wir machen uns eine Welt von einem Bild", dann erzeuge ich den gesamten Konstruktivismus.*
Heinz
von Foerster
Die reine Abbildung war nicht das Ziel unserer Arbeit, auch nicht
die Umsetzung der Zweidimensionalität der Skizzen, Entwürfe
und Zeichnungen in die dritte Dimension, sondern die Verführung
des Betrachters in eine "Traumwelt" utopischer Ideen und
deren Simulation.
So wird Wenzel Habliks Weltraumentwurf Sternenhimmel (1913)
in n o w h e r e zu einem mal konkav, mal konvex gekrümmt erscheinenden
und in sich bewegten und dichten Weltenkosmos in einem unbekannten
System mit Trabanten, Sonnen, Sternenansammlungen, Flugmaschinen und
Luftkolonien. Manche diese Himmelskörper werden durch Annäherung
zu lesbaren Textfragmenten, entnommen aus Paul Scheerbarts Die
Glasarchitektur, ein Werk des 1915 verstorbenen Literaten, das
die Proponenten Der Gläsernen Kette sehr beeinflusst hatte. "Paradieskäfer, Lichtfische, Orchideen, Muscheln, Perlen,
Brillanten usw.. - alles das zusammen ist das Herrlichste auf der
Erdoberfläche - und das finden wir alles in der Glasarchitektur
wieder. Sie ist das Höchste - ein Kulturgipfel" (Glasarchitektur,
1914).
Ein Planeten-Cluster beamt den Besucher als navigierenden Kosmonauten in die von uns zitierte, in allen Farben leuchtende zeitgenössische Architektur. "Glück ohne Glas - wie dumm ist das!" "Was wäre die Konstruktion ohne Eisenbeton?" diese wie Werbetexte ebenfalls von Paul Scheerbart formulierten Sätze, durchdringen die bewusst fragmentierten Architekturausschnitte, die wie Blendenflecken erscheinen und wieder ausblenden.
| Screenshots and Installationviews |
Wie in allen Teilen der Arbeit n o w h e r e wird man auch hier einen
Kristall entdecken können, in dessen Facettierungen sich der
Kosmos in seiner Gesamtheit spiegelt. Dieser Kristall fungiert einem
Wurmloch gleich als Übergang - als Verlinkung zum Ausgangspunkt.
Der Kristall, eine wichtige Form, auf die sich nicht nur unsere Protagonisten
bezogen, von Licht durchdrungen, Außen und Innen vereinend,
gleichzeitig Form und Geist, ein anorganischer Stoff wachsend ähnlich
einem biologischen Organismus, ist in n o w h e r e durchdringbar
- ein Verhältnis wechselseitiger Übertragungen und Durchdringungen
der Form ebenso wie der Bedeutung. Und - als wäre man im Inneren
seines facettenreichen Makrokosmos - werden die Polygone, die das
Innen beschreiben, zu einem immersiven Kaleidoskop.
Wenzel Hablik, Bruno Taut, Wassili Luckhardt, Hermann Finstlerlin, Hans Scharoun und weiteren Proponenten ist jeweils eine bestimmte kristalline Form zugeordnet. Einer Kette gleich, reiht sich auf unsichtbarem Fanden Glied an Glied. Sie scheinen wie eingeschlossen in dieser Form, die ihnen so wichtig erschien - wie das Insekt gefangen im zu Stein gewordenen Harz. Dort wo sie wie Einschlüsse im Licht der Sterne funkeln, befinden sich weitere Verknüpfungen und unsichtbar Portale.
So gelangt man zum Beispiel in einen prismatisch leuchtender Zylinder,
in dem sich Bergpanoramen durch Nebel drehen. Dieser Ort ist Bruno
Tauts Alpiner Architektur (1917-1918) gewidmet, dem Wortführer
der Architektenvereinigung Die Gläserene Kette. Seine
Zeichnungen werden in den Gebirgsketten real - Kristallnester zieren
die Gletscherspalten, Chrysokoll, Amethyst und Bismuth ragen konkurrenzierend
mit den Berggipfeln wie futuristischen Bauten empor. Auch hier führt
der bereits erwähnte Kristall wieder zurück zum Kosmos.
Nicht von der Weite des Sternenhimmels, sondern von der Geschlossenheit
des Festungsbaus erzählt der Wassilli Luckhardt gewidmete Bereich.
Seine Kultbauentwürfe (um 1920) sind Außenansichten kristallin
geformter Glasarchitektur die in der virtuellen Architektur n o w
h e r e zu einer möglichen Innenansicht interpretiert werden.
Das Funkeln um den Kristall Wenzel Habliks ist der Übergang
zu seinen Schaffenden Kräften. Ein Radierzyklus (1912),
der vom Entstehen und Werden des Kristalls, von Geburt, Werden und
Tod erzählt.
Dies und vieles andere wird der Kosmonaut - der Besucher - in n o
w h e r e entdecken können, wenn er auf seiner frei gewählten
Bahn durch den Kosmos der Gläsernen Kette fliegt. Besuchen Sie Utopia und starten Sie in n o w h e r e ! Sylvia Eckermann
* Heinz von Foerster, in: Teil der Welt, im Text "Zweiter Akt: 'Ich bin Teil der Welt'", Seite 115, 2002