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Sylvia Eckermann

 

 

plastic trade-off  2006 - permanente Installation

 

Metaperformatives Spiel in Echtzeit / Intervention zu Börsenmärkten


plastic trade-off - ein Projekt von Sylvia Eckermann und Gerald Nestler - ist eine permanente Installation in der Ausstellung: working–world.net, Arbeiten und Leben in der Globalisierung
Museum Arbeitswelt Steyr, www.museum-steyr.at

 

Die Ausstellung ist eine in Europa einzigartige Zusammenschau über die massiven Veränderungen der Arbeitswelt in den letzten 20 Jahren, über gegenwärtige Entwicklungen und zukünftige Herausforderungen.

 

Kunstbeiträge von: Valie Export (A), Ingo Vetter & Annette Weisser (D) in Kooperation mit Mitch Cope (USA), Gerald Nestler & Sylvia Eckermann (A), Oliver Ressler (A), Reinigungsgesellschaft: Martin Keil und Henrik Mayer (D), Michael Pisk (A), Ingo Günther (USA), Joseph Sappler (D)

 

english version

 

 

plastic trade-off


ist ein Kunstprojekt, das globale Börsenmärkte und damit das zentrale Element der globalen Ökonomie in Form einer Licht-Skulptur und eines Virtuellen Wissens-raumes visualisiert.

plastic trade-off ist eine visuelle Annäherung an das 'oszillierende' Wachstum einer in unterschiedlichen Zusammenhängen und Abhängigkeiten funktionierenden Börse und zeichnet das soziale Leben der (im)materiellen Werte des Handels nach. Die Skulptur bezieht sich auf reale Orte und Vernetzungen, die sie in Echtzeit sichtbar macht und visualisiert damit eines der einflussreichsten und umstrittensten Systeme unserer Zeit: die globalen Börsenmärkte.

Die BesucherInnen bewegen sich innerhalb dieser Skulptur aus Realdaten. Sie können Informationen zum Thema Börse aus einem Virtuellen Wissensraum, in dem sie selbst navigieren, abrufen.

 

 

Spezifikationen
Größe: 370 x 400 x 380 cm, Gewicht: ca. 60kg

7 Lichtketten zu gesamt 1500 verschiedenfarbigen LEDs, 1500 Plexiglasscheiben, 3000 Lötstellen, 4 Lichtketten mit Lauflicht in beide Richtungen mit variabler Geschwindigkeit, 2 Lichtketten pulsierend, 1 mit variabler Geschwindigkeit,1 Lichtkette statisch Struktur und Daten- /Stromzuleitung (4mm Kupferdraht, isoliert) sind ident, es wird kein zusätzliches Gerüst benötigt mit Stahldrähten abgehängt und fixiert.

 

Echtzeit-Börsendaten werden über die API (Application Programming Interface) eines Börsendaten-Providers aus dem Internet in einmaßgeschneidertes Programm eingelesen und nach Marktzugehörigkeit und Bewegung analysiert. Die Bewegungen werden in Wertskalen übertragen,die den Märkten/Lichtketten entsprechen. Diese Werte werden an die DMX-Software weitergesendet, wo den ständig aktualisierten WertenGeschwindigkeit und Laufrichtung zugeschrieben werden. Über DMX-Boxen gelangen die Daten zu den Lichtketten.

 

 

 

…youbuywhatyousellwhat…

 

Wie kann eine emblematische und über das rein Repräsentative hinausgehende Installation als ein ‚Aufscheinen’ dieses weltumspannenden Systems entstehen, die sich dem Thema diskursiv annimmt?

Die Konzeption eines Kunstprojekts, das Börse in ihrer Manifestation als globaler Finanzmarkt thematisiert, wirft komplexe Fragen zu einer Vielzahl an Themen ökonomischer, soziologischer, politischer und künstlerischer Natur auf, die u.a. das ökonomische System in seiner paradigmatischen Ausformung medien-technologischer Finanzmärkte, globale Verteilungen, soziale Veränderungen und Entwicklungen durch die Verflüssigung und den Machtanspruch von Kapital, die Auflösung von Nähe und Ferne im virtuellen Handelsraum, die jedoch häufig keine Entsprechung vor Ort finden, Kolonialismen heutiger Prägung, aber auch befreiende Akzente, die neue Möglichkeiten und Ansätze bieten und last but not least die Frage nach der künstlerischen Annäherung und Umsetzung betreffen.

plastic trade-off kann als ‚Tableau vivant-artificiel’ beschrieben werden, der lebendig ist wie ein Cyborg und künstlich wie eine Stadt. Es ähnelt einem lebenden Organismus oder besser einer Kolonie lebender Organismen, die sich bewegen, austauschen, vervielfältigen und manifestieren, und oszilliert zwischen Informationen, Transformationen, Institutionen und dem Cyberspace.
Als semitransparenter Cluster-Fetisch erzeugt es in aufleuchtender Simulation ein soziales System der Kommunikation, ein virtuelles Medium spezifischer Werte und damit ein ‚Moneyfest’ der Börse.

plastic trade-off versucht eine visuelle Annäherung an das ‚oszillierende Wachstum’ einer in unterschiedlichen Zusammenhängen und Abhängigkeiten funktionierenden Börse und zeichnet das soziale Leben der (im)materiellen Werte in Echtzeit nach. Im Zentrum stehen nicht einzelne Märkte, die Aufmerksamkeit wird auf ein globales Gebilde gerichtet, dessen Geschichte die gesamte Moderne durchzieht und prägt und dessen Netz immer weiter ausgebaut, verfeinert und virtualisiert wird.

Das Kunstwerk bleibt nicht im Repräsentativen stehen, ist nicht metaphorisch, zeigt keine Gegenwelt auf: es zeigt die Börse selbst, setzt sie als Medium des globalen Finanzmarktes ins Bild.   Gerald Nestler

 

 

 

Doris Rothauer: plastic trade-off

Katalogtext: working–world.net, Museum Arbeitswelt Steyr

 

Sylvia Eckermanns Schwerpunkt ist das Erstellen von multimedialen Erlebniswelten, die dem Betrachter im realen als auch im virtuellen Raum begegnen können. Gerald Nestler gehört zu jener Reihe von Künstlern, die sich bewusst mit ihrer Kunst im Kontext der Wirtschaft bewegen, indem sie ökonomische Strukturen und Strategien beobachten, analysieren und hinterfragen. Ziel seiner Arbeiten ist stets, Wirtschaft als Leitparadigma unserer Zeit in ihrem Verhältnis zu anderen sozialen und gesellschaftlichen Bereichen darzustellen.

So hat er etwa für seine Videoportraits "CEOs“ prominente Manager vor seine Kamera geladen, um ein differenzierteres Bild der Selbstwahrnehmung von Führungskräften, aber auch ihrer gesellschaftlichen Wahrnehmung herauszuarbeiten. Noch direkter verfuhr er mit seinem Interesse am Börsengeschehen, indem er zwei Jahre lang als Börsentrader gearbeitet hat. Die aus der Innensicht und dem damit verbundenen Wissen heraus resultierende künstlerische Auseinandersetzung setzte er erstmals in der audiovisuellen Installation „sexy curves“ um, die Börsenkurven Herzfrequenzkardiogrammen gegenüberstellte.

Für "working–world.net“ realisierten Gerald Nestler und Sylvia Eckermann in Kooperation mit Beat Weber einen neuen Raum zum Thema Börse. Die vielschichtige, interaktive und dynamische Installation gibt sowohl die Sichtweise der beiden Künstler als auch eine wissenschaftlich fundierte Auseinandersetzung mit dem gegenwärtigen Börsengeschehen wieder.

Im Zentrum steht eine „Skulptur“, transparent und leuchtend, die das Netzwerk der globalen Börsenmärkte, d.h. ihre Aktionsorte und deren Verknüpfungen auf dem Erdglobus verteilt als dreidimensionales Gebilde darstellt. Die kinetischen Veränderungen der Lichtelemente innerhalb der transparenten „Adern“ der Skulptur entsprechen real-time-Codierungen des Börsengeschehens und seiner Datenströme. Indem sie ständig neue ästhetische Formen entwickelt, die sich aus realen Daten speisen, zeigt die Installation Börse als ein virtuelles infinites Wertmedium ebenso wie als soziales System. Reale Objekte und Transaktionen werden zerlegt in immer neue handelbare, verwertbare Virtualitäten, die wieder zurückwirken in die Realität und so Einfluss auf das Leben von Menschen und Gesellschaft nehmen. In ihrer Basis demokratisch angelegt und legitimiert, vermittelt die Börse zwar einerseits das Gefühl der Beherrschbarkeit, andererseits gleicht ihr System dem eines Mediums, dessen Existenz selbst bereits wesentliche, verändernde Information ist.

In die Skulptur eingebaut ist eine LED-Laufleiste, die das Mantra „buywhatyousellwhat…“ abspult.

Weiterer wesentlicher Bestandteil der Installation ist ein virtueller Wissensraum in Form eines Computerspiels, der Texte und Grafiken zu den Akteuren der Börse, ihrer Funktionsweise sowie den aktuellen gesellschaftspolitischen Diskursen rund um das Geschehen liefert. Der Besucher bewegt sich in einem virtuellen Börsenraum, durch einfaches Navigieren am Bildschirm kann er dabei die hochkomplexe Funktionsweise der Börse nachvollziehbar erleben.


 

 

Credits

 

Lichttechnik: LDDE Vertriebs GmbH / www.ldde.com
Technische Assistenz: Thomas Sandri Technik für Kunstwerke / www.sandri.tv
Schnittstellenprogrammierung: Matthias Strohmaier / www.hostbuster.at
Wissenschaftliche Texte zum Thema Börse: Beat Weber
Börsenkurse zur Verfügung gestellt von der TeleTrader Software AG / www.TeleTrader.com
Foto-Credits: © Museum Arbeitswelt Steyr
Fotos: Walter Luttenberger / www.blende16.at


Museum Arbeitswelt Steyr / www.museum-steyr.at
Wehrgrabengasse 7, 4400 Steyr