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Ausstellungsansicht, Foto: Andreas Kattner
Probabilis
kunstraum BERNSTEINER, Wien: 6. Dezember 2012 — 16. Februar 2013
Sylvia Eckermanns Ausstellung Probabilis geht der Frage nach der Auseinandersetzung zwischen Wahrscheinlichkeit und Kontingenz nach. Während die Wahrscheinlichkeit ihren Blick in die Vergangenheit richtet, um eine Zukunft beschreiben zu können, trifft uns die Kontingenz unvermittelt und unvorhergesehen. Die in der Ausstellung zu sehenden Licht- und Textarbeiten, computergenerierten Bildwelten, Skulpturen und Objekte, die Eckermann eigens für den kunstraum BERNSTEINER entwickelt, ordnet sie zu einer inszenierten Raumkomposition an. Die einzelnen Objekte bezeichnet sie als freeze objects, die gleichsam ein im Moment eingefrorenes Ereignis manifestieren. Die Ausstellung interessiert sich für das Ereignis, das uns wie ein Schlag treffen kann, alles und nichts verändern kann, sich uns entzieht und zu einem Ort der absoluten Kontingenz werden kann (nach Quentin Meillassoux) |
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Sylvia Eckermann, Zero Probability Event 2012
Videoloop 5min, Holzrahmen, Monitor, AV-Player, 100x160cm Foto: Andreas Kattner
Sylvia Eckermann: Kartografie des Unbestimmten, Wandzeichnung, 2012, 153x187cm
Holz, Schwan Präparate, 80x160cm, Foto: Andreas Kattner
Eisen, Kupferblech, Motor, 94 x 250 cm Foto: Andreas Kattner
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Dialektik im Stillstand
Von Fahim Amir
Sylvia Eckermann beschäftigt sich in ihrer neuen Ausstellung "Probabilis" mit Bedeutungsproduktion im mehrdimensionalen Koordinatenfeld von Wahrscheinlichkeit/Kontingenz und real/virtuell. Das sich in ihrem neu geschaffenen installativen Ensemble skulptural aufspannende Feld lässt ein Zeitlichkeitsregime und Rationalitätsdispositiv sichtbar werden, das jedwedes futurologische Begehren auf den Boden subjektiver Setzung und historisierender Artefaktizität zurück bezieht: Jede Wahrscheinlichkeitsrechnung besteht in ihrem Kern auf Extrapolation von Historischem. Das Historische selbst muss aber immer erst aus einer Gegenwart geschaffen werden, die selbst von Zukunftsdispositionen abhängt. Diese mehrbödigen Räume sind Forschungs- und Arbeitsfeld der Künstlerin Eckermann.
Der Philosoph der aufgeladenen Zeit, Walter Benjamin, notierte einst, dass es dem Historischen Materialismus um die Intrapolation im Kleinsten ginge – eine geradezu unmöglich zu lösende Aufgabe. Das sinnlich sonst nicht wahrnehmbare Zittern einer scheinbar stabilen Gegenwart, die zur Zukunft immer noch der Vergangenheit bedarf, die ihr ständig zwischen den Fingern zu entgleiten droht, zeigt sich bei den Arbeiten der Künstlerin in einer materiellen Verdichtung von Kräfteverhältnissen der künstlerischen Objekte. So ist im Rahmen von "Probabilis" ein skulpturales Tafelbild zu sehen, das eine tischähnliche Konstruktion mit drei Objekten darauf zeigt: Ein Metronom, eine fast lebendig wirkende Fliege und ein filigranes Glasgefäß in kleinmaßstablichem Verhältnis zum Metronom. Die räumlich gedachte Zeit hat ihre Messgrößen verloren, der Glascontainer bleibt folgerichtig leer und der Teufel (1) liegt im Detail: Hier wird die Eigenzeitlichkeit des Lebendigen in den Blick genommen, um zugleich in einer rhythmusanalytischen Perspektive (Henri Lefebvre) suspendiert zu werden.
Die eigens für die Ausstellung geschaffenen Arbeiten der Künstlerin nehmen Fragen von Kontingenz und Wahrscheinlichkeit auf unmessianische Weise in den Blick: Hier ertönt kein Schwanengesang, hier wird ein Murmeln von "Dialektik im Stillstand" (Benjamin) wahrnehmbar – Kompasse einer multipolaren Welt.
(1) Beelzebub, hebr. für "Herr der Fliegen". |
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